Tagebuch einer außergewöhnlichen, schwäbisch-französischen Begegnung in 9 Etappen, 6 Regionen und 1180km

Tagebuch der Profigruppe

Familienradtour Thannhausen-Mortain

Eine nicht gewöhnliche Radtour zu Freunden…..

 

Zwei Radgruppen (Familiengruppe mit 7 Kindern, Profigruppe 3 Männer 1 Frau) machen sich auf den Weg, (1201 km) die Städtepartnerschaft Thannhausen- Mortain zu beleben.

Report der Profigruppe nach Angabe von Stephan Martens-Weh

Team: Antonia Hauser, Tourleiter Raimund Kraus, Heinz Dietmayer, Stephan Martens-Weh

Start der Profis in Thannhausen

Dienstag, 13. 8. 2019    Zwei Tage Vorsprung!

Natürlich war es ein verrückter Einfall, den sich die beiden Partnerschaftskomitees ausgedacht haben. Noch verrückter ist, dass ich hier mit dabei bin,- als „Profi“-Freizeitradler. Nicht zu vergleichen mit unserem Teamführer Raimund, der die Welt per Rad bereist, der Mortain in der Normandie als „Spazierfahrt“ bezeichnet. Also angepackt!- es ist 9.30 Uhr, Sonnenschein, nochmals Gepäckkontrolle, Teamwesten an,- und los geht´s mit großem Abschiedswinken meiner weiblichen Mitarbeiterinnen im Bauamt. Schon bei Ichenhausen kurzer Regenschauer! Nach 80 km haben wir unseren Campingplatz bei Geislingen erreicht. Bereits in dieser 1. Nacht gibt meine Isomatte den Geist auf, wir fahren zurück nach Geislingen und ich besorge mir eine Luxusmatte, 3,8 cm dick und 60,00 € (Tagesetat eindeutig überzogen!)

13.08.2019

Mittwoch, 14. 8. 2019    Gekruschtel am Morgen……..

heißt aufstehen, zusammenpacken und einen Blick zum Himmel! Raimund fängt immer an und alle sind ruck zuck auf den Beinen. Dieser Morgen ist frisch, aber mit Sonnenschein. Antonia unser Mädle liebt ein süßes Frühstück, also wird nach Kaffee und zuckerhaltigem Gebäck Ausschau gehalten.

14.08.2019

Donnerstag, 15. 8. 2019      Gemeinsam in Saverne

Pünktlich treffen sich die Gruppen am ausgemachten Parkplatz zur gemeinsamen Tour am Kanal. Abends auf dem Campingplatz die ersten Erfahrungsaustausche und ein schöner Abend in Garry´s  „Wohnzimmer“ Habe heute Nacht einen Schlafgast in meinem Ohr,- ein Ohrenzwicker!

Saverne

Freitag, 16. 8. 2019       Treffpunkt in Nancy

Nun meint es das Wetter nicht so gut mit uns. Wir haben Regen und Gegenwind, dazu die Berge um Nancy. Antonia beschließt sich der Familiengruppe in Nancy für eine kurze Auszeit anzuschließen. Nach dem Zusammentreffen sind wir nochmals 50 km weitergefahren. Da es keine Übernachtungsmöglichkeit gab, verordnete Raimund einen Schlafplatz in freier Natur zu suchen. Es war ein Picknickplatz, an dessen Tisch zwei Franzosen einen Ratsch machten und wir sie fragten, ob sie ein Quartier für uns wüssten. Sie meinten wir sollten doch gleich hier bleiben….! Bis auf einen kläffenden Hund aus einem nahen Gehöft,- war es eine ruhige Nacht.

16.08.2019

Samstag, 17. 8. 2019    Wie Clochards unter der Brücke…

Die Tour geht noch minder! Es regnet ohne Unterlass, Die Graswege werden matschig und rutschig. Es gibt zwei Stürze. Vormittags fahren wir noch ohne Antonia, am Mittag treffen wir sie in einem Supermarkt, wo wir gleich essen und einkaufen. Am Abend wieder die bange Frage nach der Übernachtung: keine Möglichkeit in der Nähe und wir möchten nicht mehr weiterfahren. Am Kanal treffen wir auf eine Brücke und einen freundlichen Schleusenwärter. Es stört ihn nicht wenn wir hier unter der Brücke schlafen. Cést la vie! Mit zwei Flaschen Rotwein, leckerem Käse und Baguette ist es schon fast Luxus!

Brücke

Sonntag, 18. 8. 2019    Eine heiße Liebe in Paris…

…ist die hoffentlich heiße Dusche vom Campingplatz in Paris! Wir haben nur Gegenwind und auch Regen. Mittags genehmigen wir uns eine Pizza in einem kleinen Restaurant. Durch Paris  halten wir Ausschau nach der Familiengruppe, sehen aber nur Touristen… Wir treffen uns mit großem „ Hallo“ auf dem Campingplatz und werden vom „Begleittross“ hervorragend verpflegt. Wieder Pizza und Rotwein. Nach diesen 185 km werden Fahrradreparaturen notwendig.

Paris

Montag, 19. 8. 2019    Sie nennen mich Bergziege…

Nach dem Frühstück mit Nutella und Baguette sind wir erst gegen 10.00 Uhr abgefahren. Wieder mal starker Gegenwind und viele Berge. Sie nennen mich jetzt Bergziege, und ich darf auf den 140 km sogar mal vorausfahren! Eine kurze Fahrt durch Chartres und wir übernachten auf einem Municipal Campingplatz, das sind gemeindliche Einrichtungen, die meist sehr sauber und sehr günstig angeboten werden.  

19.08.2019

Dienstag, 20. 8. 2019   Das Ende der Schinderei beginnt….

Es gibt mal wieder einen „Platten“ er wird schnell repariert und wir genehmigen uns ein Mittagessen im Restaurant mit Bier. 165 km Fahrtstrecke und ein ****Sterne Campingplatz lassen uns richtig übermütig werden! Wir schaffen den Treffpunkt! Der Campingplatz war ein ausgezeichneter Bio-Bauernhof mit Plumpsklo und einem Mini-Sanitärbereich. Die vier Sterne hat er wohl wegen seiner Bioprodukte, aber egal!

Plumsklo

Mittwoch, 21. 8. 2019   Die Spannung steigt…

Wir Profis sind die ersten die am Treffpunkt Rathaus in Domfront eintreffen. Nach und nach trudeln die Familiengruppe und unsere französischen Radler und einige Komiteemitglieder ein. Großes Hallo, Bonjour und Grüß Gott vor dem Rathaus nach knapp 1100 km. Nach einer Stadtführung und einer gemeinsamen Tafelrunde im Rathaussaal, wo wir unsere Gastgeber kennen lernen durften,- begeben wir uns auf die vorerst letzte gemeinsame Etappe. Ziel ist der Gemeindesaal im Dorf Bion das zu Mortain gehört.

21.08.2019    

Eine Begegnung im Zeitraffer…

 

Mittwoch, 21. 8. 2019 

Eine große Gruppe, begleitet von einem Sicherheitsfahrzeug fährt auf der Dorfstraße von Domfront nach Mortain. Die Profis und die Familiengruppe,- in den gelben Westen gut zu erkennen,- radeln mit den französischen Radfreunden auf einem Abschnitt des Veloscenic auf der ehemaligen Eisenbahntrasse von Domfront nach Mortain. Empfangen werden sie mit einem großen Bahnhof. Zwei Regionalzeitungen berichten über das Ereignis und interviewen die Radler. Während des Essens unterhält ein Musikduo und der Bürgermeister Michel Desserouer hält in seiner Rede nochmals die sportlichen und kulturellen Kontakte für unerlässlich zum Gelingen einer Städtepartnerschaft. Er beglückwünschte ausdrücklich alle Teilnehmer für ihren sportlichen Einsatz und dankte allen Helfern und den beiden Komitees für die Ausführung dieser 2017 entstandenen Idee. Die deutsche Delegation mit Gertrud Zimmermann-Wejda, und Johannes Winter (Tourguide)bedanken sich für die Gastfreundschaft und würdigen das große und spannende Programm das in den nächsten Tagen auf sie warten würde

 

Donnerstag, 22. 8. 2019

Unsere französischen Komiteemitglieder fahren uns zum biologisch zertifizierten Bauernhof „Cara-Meuh, der bekannt für die Herstellung von Caramel ist . Nach einer Führung durch das Hofgelände, sehen wir bei der Caramelherstellung zu und dürfen natürlich zur Freude der Kinder probieren! Danach wartet im Hof ein typisch normannisches Picknick auf uns, das mit einem leckeren Carameldessert endet.  

Cara Meuh

Freitag, 23. 8. 2019

Die letzte Fahrradetappe beginnt! Die Strecke zum Mt. St. Michel ist eine „Genusstour“ flach und mit Aussicht auf den im Dunst liegenden Mt. St. Michel. Die Familiengruppe hat ein Problem mit dem Begleitfahrzeug. Es streikt und bringt den Ablauf ganz gehörig durcheinander. Zwischen Salzwiesen und den neuen riesigen Parkplätzen am Damm zum Mt. St. Michel bereiten unsere Freunde ein leckeres normannisches Picknick zu. Danach ist die Radstrecke nur noch ein kurzes Stück auf der Straße. An den Parkplätzen angekommen müssen unsere Räder wieder verladen werden, denn seit der neue Zugangsdamm errichtet ist, darf auch kein Fahrrad mehr direkt an den Mt. St. Michel fahren. Jetzt ist das Abendteuer Radltour endgültig zu Ende. Geschafft vom Team Profigruppe wurden:  1201 km und 8000 Höhenmeter wurden bewältigt. Das Lichtspektakel am Abend entschädigte alle Strapazen. Weit nach Mitternacht kamen alle in ihre Quartiere.

Samstag, 24. 8. 2019

Wer Lust und Zeit hatte, konnte mit Michel Thebaut einen Spaziergang durch Mortain machen, oder am Barfussweg bei den Reparaturarbeiten,- ausgeführt von Richard Seber und Gottfried Fischer zusehen. Der Barfussweg musste mit neuem Holz vom Thannhauser Eichberg belegt werden. Auch einige Steine und ein Weidenabschnitt machten unserem Arbeitsteam viel Mühe. Hilfe bekamen sie vom Bauhof der Stadt. Der Abend im Töpfereimuseum in Gers war der Abschiedsabend, mit  Essen und Trinken „auf die Freundschaft“ und einer gigantischen Feuershow, die für unsere Kids wieder eine kurze Nacht garantierte. Alle Teilnehmer waren überwältigt von den schönen Tagen in Mortain, der herzlichen Gastfreundschaft und mit “ Auf Wiedersehen“ und „Au revoir!  bis zum nächsten Jahr“ endete diese Begegnung.

Barfußweg

Aufgeschrieben von Gertrud Zimmermann-Wejda

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